Pfarrer Haberl sagt „Ade“

15 Jahre lang war ich Pfarrer an der Christuskirche. Ich kann mich gut an die ersten Wochen erinnern: Wie ich glücklich in der großen, hellen Kirche saß, fasziniert von Glanz und Ausdruckskraft der Glasfenster; welchen Respekt ich davor hatte, Pfarrer einer so vielfältigen und geschichtsträchtigen Gemeinde zu sein. Diese Empfindungen haben mich über die Jahre begleitet, die Freude an und der Respekt vor der Aufgabe, die mir übertragen war. Jetzt, da es Zeit ist Abschied zu nehmen, denke ich an die vielen berührenden Begegnungen dieser Jahre.

Einige Hundert Konfirmanden durfte ich auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden beobachten und begleiten. Oft entstanden mit den Eltern und Familien interessante Gespräche. Den Weg mancher jungen Leute, engagiert als Konfi-Teamer oder bei den Jugendfahrten nach Italien und Kroatien, konnte ich über mehrere Jahre miterleben.

In den letzten Jahren wurde aus dem Konfirmanden- ein Seniorenpfarrer. Das freundschaftliche Netzwerk und die zuverlässige Solidarität unter den „Alten“, für die der Seniorenclub die Plattform darstellt, hat mich beeindruckt.

Für mich ist das Beglückendste am Pfarrberuf, dass man Menschen wahrnehmen und manchmal ermutigen kann, die ihren Weg zu einem erfüllten Leben suchen. Es ist ein Privileg, Anteil nehmen zu dürfen an Freude und Verzweiflung, Tränen und Lachen, Zögern und dann dem plötzlichen Mut, neue Schritte zu gehen. In diesen Tagen denke ich zurück an so viele Gespräch mit Hochzeitspaaren, mit Trauernden, mit Taufeltern, mit Menschen in Krisen.

Highlights meiner Christuskirchen-Jahre waren viele fröhliche Feste. Glaube ist nicht primär oder gar ausschließlich eine intellektuelle Angelegenheit, sondern Inspirationsquelle in allen Lebensdimensionen. Bei Singspielen für die Ehrenamtlichen, bei Gottesdiensten zu Valentinstag oder Sommerfest – oft war die Kirche erfüllt von Farben und Gesang, wir haben Theater gespielt, gelacht, geklatscht, einmal bekamen alle Gottesdienstbesucher bunte Punkte auf die Nase gemalt. Mancher findet das vielleicht albern. Ich mag es.

Meine Idee war immer, dass Gottesdienst und Pfarrersein eine künstlerische Dimension haben. Ich bin dankbar dafür, dass die Gemeinde meine „Auftritte“ nicht nur als seriöser lutherischer Prediger, sondern auch als Kirchenclown und Narrenpfaffe ausgehalten und mich darin ermutigt hat, unkonventionelle Wege der „Verkündigung“ auszuprobieren.

Zum Ganzen eines kleinen Rückblicks gehört, dass es natürlich auch Belastungen gab. Jahr für Jahr nahm der Verwaltungsaufwand zu. Das ist nichts spezifisch kirchliches, auch andere Berufsgruppen klagen darüber. Im großen Pfarramt der Christuskirche war es deutlich zu spüren. Neben vielen erfüllenden und inspirierenden Begegnung gab es – es menschelt ja auch in einer Gemeinde – auch Spannungen. Lösungen zu finden war nicht immer einfach.

Mein Wechsel nach 15 Jahren als geschäftsführenden Pfarrer wird der Christuskirche und auch mir neue Perspektiven ermöglichen. So wünsche ich der Gemeinde in Neuhausen Neugier, Freude und Zuversicht mit einer neuen Pfarrerin oder einem neuen Pfarrer, die oder der „meine“ Stelle bald übernehmen wird. Ich selbst freue mich sehr, dass ich im September meine neue Aufgabe als Pfarrer in Herrsching am Ammersee antreten darf. Sie könnten ruhig ein bisschen neidisch sein. Es ist dort wirklich schön.

Allen Weggefährten der letzten Jahre sage ich Dank für das Teilen von Glauben und Leben. Alle, die ich übersehen, verletzt oder enttäuscht habe, bitte ich um Vergebung.

Ihr Pfarrer
Ulrich Haberl