Montag, 15. Juni 2026, 19 Uhr - Christuskirche, Dom-Pedro-Platz 4, München-Neuhausen
Walter Joelsen kam vor 100 Jahren zur Welt - Ein Festabend zur Erinnerung an den Shoah-Überlebenden, Pfarrer und Zeitzeugen
Am 22. Mai 2023 starb Walter Joelsen wenige Wochen vor seinem 97. Geburtstag. Wir können deshalb am 15. Juni 2026 seinen 100. Geburtstag leider nicht mehr mit ihm persönlich feiern. Wir wollen diesen Tag aber zum Anlass nehmen, dankbar an den Shoah-Überlebenden, Pfarrer und Zeitzeugen zu erinnern, der so vielen Menschen so viel bedeutet hat.
Wir tun es in „seiner“ Christuskirche in München-Neuhausen. Hier fand er Halt und Gemeinschaft, als das NS-Regime ihn wegen der jüdischen Herkunft seines evangelischen Vaters immer mehr ausgrenzte. Hier fand er eine Anstellung, als er 1943 nicht weiter zur Schule gehen durfte. Allerdings konnte auch die Christuskirche ihn nicht davor bewahren, dass er 1944 in ein Zwangsarbeitslager verschleppte wurde. Nach seiner Befreiung holte er das Abitur nach und wollte erst Kirchenmusik studieren, entschied sich aber doch für Theologie und wurde Pfarrer. Auch in seiner Kirche erlebte er Antisemitismus, so dass er über Jahrzehnte nicht öffentlich über seine Verfolgung in der NS-Zeit sprach. Erst im Ruhestand wurde er als Zeitzeuge aktiv und die Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau wurde ihm ab 1998 zur zweiten kirchlichen Heimat. Über viele Jahre gestaltete er regelmäßig Gottesdienste dort.
Die Christuskirche und die Versöhnungskirche laden gemeinsam mit Pfarrer Dr. Axel Töllner (Landeskirchlicher Beauftragter für den christlich-jüdischen Dialog) zu diesem Festabend ein. Pfarrerin Stefanie Wist und Dekan Dr. Christoph Jahnel von der Christuskirche übernehmen die Begrüßung. Wir hören Passagen aus Walter Joelsens Dachauer Predigten. Wir erfreuen uns am Klang der Orgel und am Gesang der Jugend- und Erwachsenenchöre der Christuskirche unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Christoph Demmler, stimmen aber auch in zwei Choräle gemeinsam ein, die Walter Joelsen selbst wichtig waren. Einen besonderen Bezug zur Biographie von Walter Joelsen hat der Psalm 130 in der Vertonung von Heinrich Kaminski (1886-1946): Der Komponist wurde in der NS-Zeit ebenfalls wegen der jüdischen Herkunft seines Vaters verfolgt. Und Worte aus Psalm 130 begleiten die Menschen auf ihrem Weg durch unsere Versöhnungskirche: Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.
Wir fragen kritisch nach dem Umgang der evangelischen Kirche mit ihren Mitgliedern, die wegen ihrer jüdischen Herkunft mit antisemitischen Anfeindungen und Ausgrenzungen konfrontiert waren, vor und nach 1945. Leider Gottes verhielten sich nicht alle Gemeinden so solidarisch wie die Christuskirche. Deshalb ist es ein gutes Zeichen, dass auch der bayerische Landesbischof Christian Kopp Walter Joelsen an diesem Abend würdigt.
Zudem wird von Gisela Joelsen eine biographische Broschüre präsentiert, die sie über ihren Vater verfasst hat.
Nina Büthe, Mina Montasser, Sophie Ngo und Marie Sol Vochezer, Schülerinnen aus der Mittel- und Oberstufe des Wittelsbacher Gymnasiums, das Walter Joelsen bis zu seinem Ausschluss besucht hatte – und das noch zu seinen Lebzeiten einen Schulsaal nach ihm benannt hat –, sagen, was die Beschäftigung mit Walter Joelsens Schicksal und seiner Botschaft in ihnen auslöst. Ihr Beitrag entstand im Austausch mit der Religionslehrerin Miriam Schoeller. Der Unterstufenchor der Schule trägt unter Leitung der Musiklehrerin Anna Kagerer zwei Lieder vor.
Anne Bomlies und Anna Lisa Spitzauer schildern ihre Erinnerungen an Zeitzeugengespräche mit Walter Joelsen bei der Evangelischen Jugend München.
Stadtdekan Dr. Bernhard Liess würdigt als Kuratoriumsvorsitzender der Versöhnungskirche das langjährige Engagement von Walter Joelsen im Kuratorium.
Kirchenrat Dr. Björn Mensing, seit 2005 Pfarrer und Historiker an der Versöhnungskirche und Freund von Walter Joelsen, beschließt das Programm mit dem Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer, das Walter Joelsen in jedem Dachauer Gottesdienst sprach.
Es schließt sich ein informeller Empfang mit einem kleinen Imbiss an.